Essen im Auto macht Spaß

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Essen im Auto macht Spaß

Beitrag von Allotria am Sa Sep 22, 2018 10:23 am

McDrive

Auto fahren macht Spaß. Am meisten Spaß macht
Essen im Auto. Deswegen besitze ich diese erhöhte
Affinität zu Drive-In-Schaltern, speziell in
meinem Lieblings-Fast-Food-Restaurant. Das
Vergnügen an dieser Self-Service-Version des
Essens auf Rädern wird allerdings erheblich durch
die Qualität der Gegensprechanlage gemindert.
Gegensprechanlage? Meine Überzeugung nach hat sie
diesen Namen deshalb bekommen, weil sie völlig
gegen das Sprechen ausgelegt ist.

"Hiere Bechelun hippe!" knarzt es mir aus dem
Lautsprecher entgegen Sounds like
Schellackplatte. Aus Erfahrung allerdings weiss
ich, dass die Stimme (männlich? weiblich? ...
wohl eher männlich?) am anderen Ende dieses
Dosentelefons sich soeben nach meiner Bestellung
erkundigt hat.

Jetzt einfach zu bestellen, wäre mir zu
langweilig. Demzufolge stelle ich zuerst eine
Frage:

"Haben sie etwas vom Huhn?"

Aus dem Lautsprecher ertönt ein schwer
verständliches Wort, das aber eindeutig mit
"...icken" endet. Ich antworte: "Später
vielleicht, zunächst möchte ich etwas essen."


Etwas lauter tönt es zurück: "CHICKEN!"

Ich kann es mir nicht verkneifen: "Nein, ich
würde es gleich selbst abholen."

Eine kurze Pause entsteht, ich stelle mir
belusticht die genervte Visage des McKnecht vor.
Als die Sprechpause zu lang werden droht, sage
ich: "Ach so, Sie meinen Chicken! Nö, lieber doch
nicht. Haben sie vielleicht Presskuh mit
Tomatentunke in Röstbrötchen?"

"Hamburger?" fragt mein unsichtbares Gegenüber
zurück. Der Wahrheit entsprechend erwidere ich:
"Nein, ich bin von hier. Aber hat das denn
Einfluss auf meine Bestellung?"

"Wol-len Sie ei-nen H-a-m-b-u-r-g-e-r?"

"Jetzt beruhigen Sie sich mal! Ja, ich nehme
einen."

"Schieß?"

"Stimmt, hatte ich nach der letzten Mahlzeit
hier. Mittlerweile ist meine Darmflora allerdings
wieder wohlauf, ich denke, ich kann es erneut
riskieren."

Der Stimminhaber beginnt mir ein wenig leid zu
tun. Er kann ja nichts für den Job. Aber ich ja
auch nicht ......

"Ob Sie KÄÄÄSE auf dem Hamburger möchten!?"


"Ah ja, gern. Ich nehme einen mittelalten
Pyrenäen-Bergkäse, nicht zu dick geschnitten, von
einer Seite leicht angeschmolzen."

Ob die nächste Ansage aus dem Lautsprecher
"Sicher doch" oder "Arschloch" lautet, kann ich
nicht exakt heraushören.

Deutlicher jedoch erklingt nun: "Was dazu?"


"Doch, ja. Ich hätte gerne diese gesalzenen
frittierten Kartoffelstäbchen."

"Also Pommes?"

"Von mir aus auch die"

"Groß, mittel, klein?"

"Gemischt. Und zwar jeweils genau zu einem
Drittel große, mittlere und kleine."

"WOLLEN SIE MICH EIGENTLICH VERARSCHEN?"

Diese, wiederum sehr laut formulierte Frage,
verstehe ich klar und deutlich. Sie verlangt eine
ehrliche Antwort: "Falls das die Bedingung ist,
hier etwas zum Essen zu bekommen: Ja, also:
Machen wir weiter?"

Die Stimme schnauft kurz und fragt: "Gut, gut.
Etwas zu den Pommes?"

"Ein schönes Entrecôte, blutig und ein Glas
1996er Spätburgunder, bitte"

"ICH KOMM DIR GLEICH RAUS UND GEB DIR BLUTIG!!!"


"Machen Sie das, aber verschütten Sie dabei bitte
nicht den Wein."

"Schluss jetzt, Schalter zwei, vier Euro
fünfzehn!"

Schon vorbei. Gerade, als es anfängt, lustich zu
werden. Aber ich habe noch ein As im Ärmel. Ich
zahle mit einem 200-Euroschein. "Tut mir leid,
aber ich habs nicht grösser."

PIEP!... Freundlich werde ich ausgekontert: "Kein
Problem."

Mit kaltem Blick lässt ein bemützter Herr mein
Wechselgeld auf den Stahltresen klappern.

Nicht mit mir, Freundchen! Ich will den Triumph!
Zeit also fürs Finale: "Kann ich eine Quittung
bekommen?" fragte ich überfreundlich. "Ist ein
Geschäftsessen." ...
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